Monatsarchiv für Dezember 2006

 
 

Herzlichen Glückwunsch

Dir, liebe Jana-Maus, auf diesem Wege alles Gute zu Deinem Geburtstag, Glück und Gesundheit und viel Freude mit der Familie.

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Und allen anderen Freunden, Bekannten und natürlich der Familie (Stini!) das Beste für 2007 :)

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T-Online eingeschläfert

Nachdem ich nun seit 26. Juni 1997 dort Kunde war, hab ich mich entschlossen, die Mitgliedschaft zu kündigen.

Also, liebe Leute, streicht bitte hebemat@t-online.de aus Eurem Gedächtnis.

Danke für die Aufmerksamkeit :)

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Ups,

da war ich wohl etwas voreilig! Oder ich hätte eher dichten sollen, dann hätten wir doch noch weiße Weihnachten bekommen :D

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Da bekommt man doch gleich Sehnsucht nach fernen Ländern und es werden Erinnerungen wach, z. B. nach Australien.

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Vom Eise befreit

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…ist Deutschland auf Dauer, durch der Menschen kluges Geschick.

Drum, lieber Freund, sei doch nicht sauer, uns winkt ganz anderes Gelück.
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Den Osterspaziergang kann man schon an Weihnachten gehn und allerlei Getier in Flur und Feldern sehn.
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Der olle Winter in Dauerschwäche zieht sich in die Sahara zurück. Von dort her sendet er keine Zeichen, uns muß nur die Erinnrung reichen.
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Der Mensch duldet kein Weißes. Überall regt sich Pflänzchen und Grün, dies läßt uns öfter nach draußen ziehn.

Kehre Dich um von diesen Höhn, nach dem Tale zurückzusehn. Dort sieht man die grünende Flur, wo dereinst Schneeschuhfahrn bracht Freude, pur.Image Hosted by ImageShack.us

Damit endet hier meine Strophe vom Hohen Lied der Klimakatastrophe.

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christmas countdown

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Nun ist also auch der gute alte Adventskalender auf dem Rückzug. Zahlreiche Firmen (ich werd´ den Teufel tun und hier für die Werbung machen) versuchen mit aller Macht, diese Idiotie hierzulande zu etablieren, aber das wollt´ ich eigentlich gar nicht schreiben. Ehe noch jemand meint, daß diese Überschrift so ganz und gar nicht zu mir paßt, wünsche ich allen Freunden und Bekannten auf diesem Wege – statt Karte und Brief (ich habe es auch dieses Jahr wieder nicht geschafft :D ) ein friedvolles Weihnachtsfest. Also

  • Jana und Peet sowie Clemens und Leonhard
  • Almut und Holger und mein Spezial-Patenjunge Justus
  • Schrotti nebst Söhnen und Frank nebst Söhnen
  • Vera
  • Harry und Ewa
  • Bolko und Hund Billy sowie Danger-Mike
  • Gerd
  • Florian und die [plantzone]r
  • Gabi und Andre nebst Martin und dem Unglücksraben Ke(l)vin
  • Jochen mit Frau und Tochter :)
  • Christian Johannes Budihartono
  • Baran Vasfi Gök
  • und all die anderen, die sich nie hierher verirren werden, laßt es Euch gut gehen.

Wer sich hier nicht wiederfindet, sei bitte nicht böse, sondern schreib einfach einen Kommentar.

Was bleibt mir noch zu wünschen? Ein wenig Besinnlichkeit und bei aller Weltoffenheit auch die Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln und Traditionen, die haben nämlich – gerade in der heutigen Zeit – auch ihre Berechtigung und sind wichtig. Gesundheit, die Erfüllung von Herzenswünschen und natürlich immer einen gefüllten Kühlschrank.

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Welt-Bild am Donnerstag

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Das habe ich gerade aus der Post gefischt, es ist sicher nicht echt ;)

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Null-Acht-Fuffz´n

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Im Rahmen der sog. Globalisierung gleichen sich die Bedingungen in den einzelnen Ländern ja wohl immer mehr an. Daß dabei auch immer mehr länderspezifische Besonderheiten auf der Strecke bleiben werden, versteht sich von selbst. Bei der Beobachtung des Zeitgeschehens werde ich mal versuchen, in loser Folge auf diesen (teilweisen) Wahn aufmerksam zu machen. Manchmal habe ich den Eindruck, daß gerade die Deutschen hier – ohne Not und teilweise in liebedienerischer Unterwürfigkeit – voraneilen. Heute nenne ich die Stichworte

Sprache (Anglifizierung des gesamten Lebens: in Werbung, Alltagssprache, Lieder (happy birthday, jingle bells unter gleichzeitigem
Vergessen und Verpönen des eigenen Liedgutes)

Maut Wiedereinführung mittelalterlicher Wege- und Brückezölle für alle möglichen Gelegenheiten

Rauchverbot in öffentlichen Räumen usw (kann man drüber streiten)

Geschwindigkeitsbeschränkung auf der Autobahn soll auch wieder im Gespräch sein

Ich denke, hier wird es noch viel zu berichten geben. :D

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Bild(ung) am Sonntag

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+++Das folgende Interview erschien zuerst auf fluter.de.+++

Herr Henschel, gibt es eigentlich irgendetwas, das Ihnen an der Bild-Zeitung gefällt?

Henschel: Angeblich soll ja der Sportteil gut sein. Aber wenn man weiß, daß auch in der Sportredaktion knüppelharte Politik betrieben wird, trübt das doch etwas die Freude. Nein, es gibt nichts Gutes an der Bild-Zeitung.

Wie sind Sie eigentlich als Schriftsteller darauf gekommen, ein Pamphlet oder eine Polemik gegen die Bild-Zeitung zu schreiben?

Henschel: Merkwürdiger finde ich, daß sich in den letzten dreißig Jahren kaum noch jemand ernsthaft mit dem Kulturproblem der Bild-Zeitung auseinandergesetzt hat.

Worin könnte Ihrer Ansicht nach die Ursache dafür liegen?

Henschel: Man hat sich damit abgefunden, daß dieses Blatt in der Welt ist und eine Macht erobert hat, die seit Günter Wallraffs Tagen nicht geringer geworden ist. Und was Bild kolportiert, lassen heute auch andere Medien durchsickern, im vorabendlichen Schrottfernsehen oder auf der Seite mit den vermischten Nachrichten in den sogenannten Qualitätszeitungen: Da erfährt man, wer zur Zeit in Hollywood oder Berlin-Mitte Bettnässer, schwanger oder scheidungswillig sei. Manche Leute, wie der Bischof Huber, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, der der Bild-Zeitung als Kolumnist dient, scheinen dies alles von der heiteren Seite zu betrachten, als Pop oder ich weiß nicht was. Ich bin da etwas altmodischer.

Ihr Buch heißt „Gossenreport“. Darin schrieben Sie mehrmals, daß Bild Gossenjournalismus sei. Was meinen Sie damit?

Henschel: Die Gossenpressenvertreter haben sich ihre journalistischen Aktivitäten in den Unterhosen von Dieter Bohlen, Udo Jürgens und zahlloser Vergewaltigungsopfer als „Boulevardjournalismus“ schöngeredet, aber was hätte solcher Schmodder auf einem Boulevard zu suchen? Von einem Boulevard erwarte ich, daß dort Charles Aznavour Arm in Arm mit Lino Ventura flaniert und daß sie beide Simone Signoret zu einem Café au Lait oder Schlimmerem einladen. Was die Bild-Zeitung an Puff-Geständnissen aus Knalltüten wie Heiner Lauterbach und Ottfried Fischer herausleiert, hat damit herzlich wenig zu tun. Das ist kein „Boulevard“. Das sind glipschige Speichelbatzen.

Und was genau verstehen Sie dann unter Gosse?

Henschel: Schlechte Manieren. Tratschen. Pöbeln. Grölen. Alles das, was vor rund vierzig Jahren zu einem Verweis von der Ursulinenschule geführt hätte: Treppenhausklatsch zu verbreiten oder Straßenausdrücke bei Tisch zu verwenden. Und genau damit hat die Bild-Zeitung mittlerweile enorme Macht erworben. Sie wird sogar im Vatikan vorgelassen, aufgrund der Tatsache, daß sie sich eine Großmachtstellung ergrölt und erpöbelt hat. Das ist ja das Perverse.

Und was finden Sie daran pervers?

Henschel: Daß der Papst mit der Arsch- und Tittenpresse kooperiert. Ich bin nicht katholisch und möchte nicht päpstlicher sein als der Papst, aber ich wundere mich darüber, daß er keinen Widerspruch zwischen den von Bild im Anzeigenteil vermittelten „Bumskontakten“ mit „Abspritzgarantie“ einerseits und dem Katechismus der Katholischen Kirche andererseits zu erkennen scheint.

Die Bild-Zeitung hat täglich circa zwölf Millionen Leser. Sind das aus Ihrer Sicht dumme oder naive Menschen?

Henschel: Nein. Die Bild-Zeitung ist ja, auf ihre Weise, ein Qualitätsprodukt.

Das sollten Sie erklären.

Henschel: Sie wird von Profis gemacht, die sich exzellent darauf verstehen, die niedrigsten Bedürfnisse der Leserschaft zu befriedigen.

An welche Bedürfnisse denken Sie da?

Henschel: An die gute alte Schadenfreude und an die Lust, etwas zu begaffen, das einen nichts angeht – ein wildfremdes Verkehrsunfallopfer, den Harnstrahl eines britischen Prinzen, die Brustoperationsnarbe eines weiblichen Popstars, die DNA-Spuren einer Geisel am Bettlaken ihres Entführers oder auch die Kotze eines berühmten Fußballspielers, die in der Bild-Zeitung mehrmals vierfarbig aufgetischt worden ist.

Harald Schmidt hat dieses Phänomen als Unterschichtenfernsehen bezeichnet. Könnte man sagen, die Bild-Zeitung betreibe Unterschichtenjournalismus?

Henschel: Ich würde es eher Unterhosenjournalismus nennen. Die Bild-Zeitung wird ja schon längst nicht mehr allein vom klassischen Bauarbeiter auf dem Dixi-Mietklo konsumiert. Sie wird in allen Klassen, Schichten und Milieus gelesen, und kein Vorstandsvorsitzender und kein Bischof geniert sich, wenn er von einem Bild-Leser-Reporter bei der Lektüre der Bild-Zeitung fotografiert wird. Es gibt ein Foto, auf dem Sabine Christiansen, die Bild-Verlegerin Friede Springer und die Bundeskanzlerin Angela Merkel zu sehen sind, einträchtig nebeneinander sitzend, während eine der Damen in einem Exemplar der Bild-Zeitung blättert, mit einer säuischen Schlagzeile auf der ersten Seite, aber keine der Damen hat darin etwas Ehrenrühriges erblickt. Sie betrachten die Union von Gosse und Regierung als das Normalste von der Welt.

Was halten Sie eigentlich von Schlagzeilen wie „Wir sind Papst“ oder „Schwarz-Rot-Geil“?

Henschel: Wenn es der Bild-Zeitung glückt, sich mit einprägsamen Formeln ins Gespräch zu bringen, kann ich als altmodischer Miesepeter, dem die ganze Richtung widerstrebt, nur abermals bedauern, daß Bild von Profis und nicht von Stümpern produziert wird.

Sie können aber verstehen, wenn Leute darüber lachen?

Henschel: Ein altes Sprichwort sagt: Humor ist, wenn auch Trotzki lacht. Friede Springer hätte Grund zur Trauer, wenn Sie keine Redakteure mehr fände, die die Leser durch ulkige Schlagzeilen und im Schweinestall ausgescharrte Mädchenleichen zum Wiehern brächten. Wer da mitwiehern möchte, wird von Bild aufs köstlichste bedient.

In Ihrem Buch greifen Sie die Bild-Zeitung moralisch an. Was ist daran besser, gegenüber dem Vorwurf der inhaltlichen Schlampigkeit, den zum Beispiel Günter Wallraff erhoben hat?

Henschel: Es ist verdienstvoll, die journalistischen Schlampereien der Bild-Zeitung zu kritisieren. Das hat Günter Wallraff getan, so wie es heute viele fleißige Menschen für www.bildblog.de tun. Daß die Bild-Redaktion diese wunderbare Website als kostenlosen Reparaturbetrieb für die Korrektur der eigenen Falschmeldungen mißbraucht, ist bedauerlich, aber daran läßt sich wohl nichts ändern. Was mich selbst an der Bild-Zeitung anwidert, ist nicht ihre Schludrigkeit und auch nicht ihre politische Stoßrichtung, sondern ihre Gemeinheit. Es interessiert mich nicht, wie gründlich eine Reportage über die Bordellbesuche irgendeines Schauspielers recherchiert worden ist. Mir reicht es schon, wenn Bild mit der Nachricht herausplatzt: „Ich war auch im Bordell“. Ob der betreffende Herr tatsächlich ein Bordell aufgesucht hat oder nicht, geht nur ihn selbst etwas an. Mir geht es um die allgemeine, von Einzelfällen unabhängige Skrupellosigkeit des Bild-Journalismus. Ich wünsche mir keine besser gemachte Bild-Zeitung, sondern gar keine Bild-Zeitung.

Wenn Angela Merkel und der evangelische Bischof Huber Artikel in der Bild-Zeitung veröffentlichen und damit Menschen erreichen, die sie sonst nicht erreichen würden, dann ist das doch erst mal gar nicht schlecht, oder?

Henschel: Eine noch größere Aufmerksamkeit könnte der Bischof Huber auf sich lenken, wenn er nackt einen Veitstanz auf der Reeperbahn aufführte. Auf diese Weise könnte er noch mehr Menschen erreichen, die sonst nichts von ihm wüßten. Er müßte dafür nur einige seiner Glaubensgrundsätze vorübergehend verleugnen. Daß er dazu fähig ist, hat er als Bild-Kolumnist bewiesen.

Sie kritisieren besonders das Nebeneinander von Sexanzeigen und Äußerungen von Politikern oder Geistlichen. Aber gehört nicht dieses Nebeneinander zu einer modernen Gesellschaft? Anders gefragt: Muss eine moderne Gesellschaft nicht in der Lage sein, das aushalten zu können?

Henschel: Wenn unsere Gesellschaft es aushält, Einzelheiten der Bordellbesuche eines Schauspielers von dem Bild-Herausgeber Kai Diekmann serviert zu bekommen und damit zu leben, daß der Herausgeber anschließend vom Bundespräsidenten empfangen worden ist, dann wird unsere Gesellschaft wohl auch damit leben können, daß der Autor eines Kleinverlags daran Anstoß nimmt. Politiker und Geistliche, die sich in der Bild-Zeitung äußern, werten sie auf und scheinen sich nicht im geringsten daran zu stören, daß im gleichen Blatt des breiten über die Jungfräulichkeit einer Dreizehnjährigen berichtet wird, die tot in einem Schweinestall gefunden worden ist. Wer den Unterleib eines ermordeten Kindes sensationsjournalistisch ausweidet, sollte geächtet und nicht vom Bundespräsidenten empfangen werden.

Im Berliner Stadtmagazin Zitty gibt es einen Anzeigenteil, der sich „Verbalerotik“ nennt. Dort heißt es zum Beispiel: „Hose auf! Ich garantiere, dass du kommst.“ Worin besteht der Unterschied, ob ein Stadtmagazin so etwas macht oder die Bild-Zeitung?

Henschel: Da gibt es keinen Unterschied. Wer darauf steht, mag sich daran erbauen. Als störend empfinde ich den Umstand, daß solche Töne inzwischen nahezu alle Medien durchdrungen haben. Es gab einmal eine schöne Zeit, da existierten nur drei Fernsehprogramme, und nachts kam das Testbild. Im Zuge der geistig-moralischen Wende hat die CDU/CSU im Verbund mit der FDP das Privatfernsehen durchgesetzt und damit die Stöhntelefonwerbung flächendeckend etabliert. Ich erkenne darin keinen Fortschritt.

Aber das betrifft ja nicht nur die Bild-Zeitung.

Henschel: Natürlich nicht. In meinem Buch behandele ich auch den Einfluß des Bild-Journalismus auf andere Medien. Und zweifellos hat Bild diesen ordinären Anzeigensound nicht erfunden, aber ihn doch aus der pornographischen Subkultur in die Mitte der Gesellschaft befördert. Und nun hat Bild sowohl „Bumskontakte“ als auch „Gold-Bibeln“ im Angebot, und der Papst hat seinen Segen dazu erteilt. Schön ist das nicht.

Sie nennen den Bild-Chefredakteur Kai Diekmann einen „Puff-Journalisten“. Warum werden Sie so persönlich?

Henschel: Es geht mir nicht um Herrn Diekmann persönlich, sondern um seine Funktion. Er ist presserechtlich dafür verantwortlich, daß die Bild-Zeitung einen Politiker (den Bundestagsabgeordneten Gert Winkelmeier – Linkspartei, d. Red.) als „Puff-Politiker“ bezeichnet hat, weil zu seinen Mieterinnen, wie es hieß, Prostituierte gehörten. Bild hat damals gefordert: „Raus aus dem Bundestag mit dem Puff-Politiker!“ Einige Tage später ist der Schauspieler Heiner Lauterbach in Bild mit der Schlagzeile „So wild trieb ich’s im Puff“ gewürdigt worden. Wenn das kein Puff-Journalismus ist, was dann?

Also kritisieren Sie die Bigotterie und Widersprüchlichkeit, sich nicht an den eigenen Werten messen zu lassen?

Henschel: Was Sie sagen, läßt sich vielleicht am besten im Begriff der Obszönität zusammenfassen.

Kennen Sie eigentlich persönlich Journalisten der Bild-Zeitung?

Henschel: Nein.

Sie möchte auch keinen kennenlernen?

Henschel: Wozu? Ich habe mein Buch in der Hoffnung geschrieben, daß es etwas zur sozialen Ächtung der Bild-Journalisten beiträgt.

Auch ohne soziale Ächtung wird aber zumindest hin und wieder Schmerzensgeld vor Gericht erstritten.

Henschel: Das stimmt. Als juristischer Laie wundere ich mich über die Geringfügigkeit der verhängten Schmerzensgeldbußen. In der Regel sind das Beträge, die Springer aus der Portokasse begleichen kann. Erstaunt hat mich auch, daß kürzlich, wie ich gelesen habe, eine Meute von Paparazzi vor der Wohnung eines Betreuers von Natascha Kampusch campieren durfte, ohne vom Fleck weg verhaftet zu werden. Diese Leute wollten Frau Kampusch aufstöbern, wie Kopfgeldjäger, im Auftrag der Gossenjournaille, koste es, was es wolle. Daß es gegen solche Aufmärsche und Rottenbildungen von Pressehyänen auch in Österreich kein Gesetz zu geben scheint, verblüfft mich.

Der Deutsche Presserat rügt aber öfter Veröffentlichungen der Bild-Zeitung.

Henschel: Und die Chefredaktion kann sich ein Ei darauf pellen. Der Deutsche Presserat ist der zahmste Tiger seit König Alfons dem Viertel-vor-Zwölften.

Hat die Bild-Zeitung eine Sonderstellung im deutschen Pressemarkt oder gilt das, was Sie schreiben, generell für den Boulevardjournalismus?

Henschel: Es gibt alle möglichen Graustufen. Manches, was Bild mit großem Getöse abfeiert, also beispielsweise die öffentlichen Einlassungen einer Bundesministerin über ihr Sexualleben oder den Urin eines britischen Prinzen, fassen Journalisten, die eine bessere Kinderstube genossen haben, zwar nur mit spitzen Fingern an, aber auf die Idee, solche schmuddeligen Fundsachen im Rinnstein liegenzulassen, scheint kaum jemand mehr zu kommen, der seinen Lebensunterhalt als Gesellschaftsreporter verdient. Bild ist in diesem Segment tonangebend oder, wie Kai Diekmann es ausgedrückt hat, „Schrittmacher und Marktführer“, und kleinere Käseblättchen eifern dem Leitmedium nach.

Die Bild-Zeitung ist also eine unter vielen?

Henschel: In Deutschland ist sie die mächtigste. Andere westliche Länder haben ähnliche Kulturprobleme. England hat die Sun am Hals. Zur Zeit ist man bei Springer mit dem Projekt befaßt, auch Frankreich ein Problem in dieser gossenjournalistischen Größenordnung aufzuhalsen.

Glauben Sie, dass die Bild-Zeitung ihre publizistische Macht benutzt, um bestimmte Meinungen in der Öffentlichkeit zu verbreiten, oder glauben Sie, dass sie ihre Leser gut kennt und nur das abdruckt, was diese lesen wollen?

Henschel: Die Bild-Zeitung wird ihren Durchschnittsleser jedenfalls nicht mit verwirrenden Kommentaren vor den Kopf stoßen.

Sie glauben also nicht, dass Bild bestimmte Kampagnen mit einem politischen Hintergedanken fährt?

Henschel: Das mag vorkommen, aber meine Kritik gilt nicht irgendwelchen tagespolitischen Interessen der Bild-Zeitung, sondern ihrem Dasein.

Sie schreiben, dass viele Institutionen in Deutschland Angst davor haben, sich mit der Bild-Zeitung anzulegen. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Henschel: Es ist jedem Bundesbürger freigestellt, einmal scharf darüber nachzudenken, woran das wohl liegen könnte. Meiner Meinung nach liegt es an der Fähigkeit der Bild-Zeitung, den guten Ruf jedes Menschen in den Dreck zu ziehen. In meinem Buch zitiere ich den Minister Walter Riester, der mutig genug war zu erzählen, wie Bild ein Interview mit ihm förmlich erpreßt hat. Jeder Politiker, Unternehmer, Sportler, Musiker, Quizmaster, Eckensteher oder Prominentenfriseur muß sich dreißigmal überlegen, ob er es sich leisten kann, dieser Großmacht einen Wunsch abzuschlagen. Vor Bild wird gekuscht, vom kleinsten Hinterbänkler mit Frau, zwei Kindern und Bausparvertrag bis hinauf zum Bundespräsidenten. Im selbstherrlichen Bewußtsein dieser Machtfülle hat der Springer-Konzern sogar versucht, sich als Gast mit Fotografenschwarm in die private Hochzeitsfeier von Günther Jauch hineinzuklagen. Auf so eine abenteuerliche Unverschämtheit können nur Leute kommen, die es gewohnt sind, daß vor ihnen alle Welt auf den Knien herumrutscht.

Sie schreiben, dass die FAZ mit der Bild-Zeitung medienpolitisch, geschäftlich und kameradschaftlich verstrickt sei. Wie drückt sich diese Verstrickung aus?

Henschel: Wenn der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher ein neues Sachbuch verfaßt hat, begibt er sich, inzwischen wohl schon gewohnheitsmäßig, in die Niederungen der Bild-Zeitung. Er beantwortet ihre Interviewfragen, läßt sich dort knipsen und gestattet den Vorabdruck der aufregendsten Passagen, und schon schrapnellt sein Buch an die Bestsellerlistenspitze. Er scheint nicht anzunehmen, daß es unter seiner Würde wäre, sich in Kai Diekmanns Fickgeschichtenbörse herumzuflegeln und anderntags aufs neue als Ritter vom Geist in Erscheinung zu treten.

Glauben Sie, dass die FAZ ein Buch von Kai Diekmann abdrucken würde?

Henschel: Wenn er eins schreiben könnte – warum nicht?

Wir sprachen über die Verletzung der Privatsphäre. Nun gibt es seit einiger Zeit die sogenannten Bild-Leser-Reporter. Was halten Sie denn davon?

Henschel: Hier bildet sich, wie Gustav Seibt in der Süddeutschen Zeitung geschrieben hat, eine „Sozialisierung des Schnüffelns“ heraus. Jeder Dämlack macht sich jetzt mit seinem Foto-Handy auf die Jagd nach Voll-, Halb-, Viertel-, Achtel- oder Sechzehntel-Prominenten. Bild hat die Leser ausdrücklich dazu angespornt, Prominente beim Nasebohren abzulichten. Das sind teuflische Zustände, von deren Grauenhaftigkeit ich mir vor einem Dreivierteljahr, zu Beginn der Arbeit an meinem „Gossenreport“, noch keine Vorstellung gemacht habe.

Auf der Homepage von Bild steht: „Respektieren Sie bei Ihren Foto-Aufnahmen die Privatsphäre anderer Menschen. Behindern Sie nicht die Arbeit von Polizei oder Rettungsdiensten.“ Glauben Sie, daß diese Leitlinien ausreichend berücksichtigt werden?

Henschel: Dreimal dürfen Sie raten. Selbstverständlich respektieren Friede Springer, Mathias Döpfner und Kai Diekmann ihrerseits, so gut sie es können, die Menschenwürde. Sie würden es niemals übers Herz bringen, aus Geldgier die Leiche eines dreizehnjährigen Mordopfers aus einem Schweinestall herauszuzerren und die Leserschaft über die Beschaffenheit der Jungfernhaut des toten Mädchens zu informieren. Oder doch? Die Tatsache, daß die Bild-Zeitung eben dies getan hat, deutet darauf hin, daß Frau Springer und die Herren Döpfner und Diekmann eine noch dreistere publizistische Handhabung der Jungfernhäutchen ermordeter Mädchen anstreben. Dem Grundgesetz zufolge ist die Würde des Menschen unantastbar und ihr Schutz die Aufgabe aller staatlichen Gewalt. Und es ist ein Skandal, daß die Staatsgewalt, statt die Menschenwürde zu schützen, mit der Bild-Zeitung poussiert und mit Friede Springer herumschmust.

Welche Intention hat Ihr Buch? Welche Forderungen stellen Sie?

Henschel: Ich habe keine Forderungen zu stellen. Ich bin nur ein Privatmann, der „Aua“ sagt, wenn es ihm wehtut, und der einen Herzenswunsch hat.

Und der wäre?

Henschel: Der Untergang des Hauses Springer.

Rudolf Augstein, der Gründer und langjährige Herausgeber des Spiegel, hat gesagt: Der Spiegel ist das Sturmgeschütz der Demokratie. Was ist dann die Bild-Zeitung?

Henschel: Gut, daß Sie mich danach fragen. Die Bild-Zeitung, würde ich sagen, ist das Sturmgeschütz des Sauerkrauts.

Das Interview entstand im Oktober 2006.

Interview: Martin Höche, VÖ 12.12.2006

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Deutsch für Deutsche IV

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Da kauft eine deutsche Firma eine amerikanische auf und veranstaltet einen Konzerntreff, auf dem auch die amerikanischen Neuzugänge auftreten. Es werden allerlei Vorträge gehalten und wie es sich für anständige Gastgeber gehört, werden für die Amerikaner Übersetzungskopfhörer verteilt, damit die Herren, sprachlich weniger begabt, dem Gesehen folgen können, die primitive Eingeborenensprache wird also in ihre Muttersprache übersetzt.

Doch jetzt kommt´s: Natürlich sprechen auch die Gäste, allerdings müssen die Eingeborenen selbst zusehen, wie sie die Reden verstehen. Übersetzungskopfhörer gibt es natürlich nicht. Bleibt die Frage, wer hier wen gekauft hat! kommt mir bald so vor wie zu gewissen Zeiten, als die herrschende Adelskaste ihr Französisch hatte, welches der Plebs natürlich nicht verstand. Aber selbst da hat man den Plebs dann wenigstens noch in der Sprache angesprochen, die er verstand.

Beitrag Nummer III und die vorangegangenen hier.

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Zeitvergleich VII

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Heute gibt´s einen Blick über den Bauzaun im Botanischen Garten Berlin. (Die Aufnahme von Florian entstand am 10.12.2006)

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Und für alle, die es nicht erwarten können, ein Bildchen, wie es früher einmal aussah und hoffentlich bald wieder aussehen wird. (Die Aufnahme entstand am 31.07.2005)

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In dieser Reihe gab es schon folgende Beiträge: I, II, III, IV, V und VI.

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