Zeitvergleich XII
Am Vorabend der schrecklichen Ereignisse der Dreißiger und Vierziger Jahre in Deutschland und der Welt fanden 1936 (als scheinheilige Pause im Treiben der Nazidiktatur) die XI. Olympischen Spiele in Berlin statt. Dazu wurde auch ein Olympisches Dorf für die männlichen Sportler vor den Toren Berlins (in der Nähe der Wehrmachts- und Eisenbahnersiedlung Elstal) errichtet, das danach eine wechselvolle Geschichte erlebte. Die kürzeste Zeit seines Daseins war es tatsächlich das Olympische Dorf der männlichen Athleten, nämlich von der Übergabe am 01. Juli 1936 durch die Wehrmacht an das Organisationskomitee bis zum Dezember 1936 (Bauzeit für das insgesamt 550.000 m² große Gelände [nur der kleinste Teil wurde bebaut] betrug zwei Jahre). Danach war es neun Jahre lang Ausbildungsstätte der Wehrmacht und beherbergte eine Infanterieschule und das 1. Bataillon des Infanterie-Lehrregiments, außerdem wurde das Speisehaus der Nationen (das auch heute noch ziemlich gut erhalten ist) in ein Lazerett umgewandelt. Die längste Zeit in der bisherigen Geschichte waren von 1945 bis zum September 1991 (also 46 Jahre) die Jungs von C & A Hausherren in dem im übrigen für Deutsche verbotenen Dorf.
Nachdem ich das Gelände bereits 1991 (auf eigene Faust und Gefahr) und dann noch einmal 1998 (geführt, nur sonnabends 11:00 Uhr und mit Voranmeldung) durchstreifte, tat ich dies am 28. 04. 2007 noch einmal. Die folgenden Bilder stammen von diesem Besuch, wenn sie nicht als historische Aufnahmen dankenswerter Weise von der DKB zur Verfügung gestellt wurden.
Hier zunächst eine Luftbildaufnahme eines Teils des Dorfes mit dem imponierenden Speisehaus der Nationen ![]()
Dank der DKB geht es nun etwas geordneter zu und dem Vandalismus, mit dem man jahrelang zu kämpfen hatte, konnte Einhalt geboten werden, eine der Zugangsstraßen mit seitlichen Abgrenzungen ![]()
Unser Spaziergang führte uns zunächst an den Waldsee, der mittlerweile völlig ausgetrocknet und somit verlandet ist. Der Zeitvergleich findet hier auf einem Bild statt, der Pfeil kennzeichnet die Reste des Fundaments des Finnischen Dampfschwitzbades, in Deutschland damals noch fast gänzlich unbekannt und damit an den Tagen der Offen Tür ein besonderer Besuchermagnet). ![]()
Weiter ging es zum Hindenburghaus, auch hier wieder der Vergleich alt/neu in einem Bild

Hier wird übrigens am 07.07.2007 20:00 Uhr die Oper Nabucco von Verdi aufgeführt. Karten gibt es z. B. hier
Direkt neben dem Hindenburghaus holte uns dann die jüngere Geschichte ein. Wir fühlten uns nach Marzahn versetzt, als die DDR-Plattenbauten ins Blickfeld gerieten. Sie wurden für das SS-20-Personal 1983 errichtet, die Original-DDR-Plattenbauten wurden vom sog. Wohnungsbauprogramm abgezwackt. Heute ist alles total verwahrlost, man könnte bald den Eindruck gewinnen, im Tschernobyler Gebiet zu sein.

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Weiter führte der Weg durch das riesige Areal – vorbei am sog. Thingplatz – zum bereits oben erwähnten Speisehaus der Nationen.
1936 ![]()
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und 2007
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In ihrer Verzweiflung (und aus Sorge um den Erhalt dieses Gebäudes) hatte der Verein in Elstal sogar Herrn Gates in Amerika angeschrieben und um eine Spende gebeten, wie mir bekannt ist, hat er nicht geantwortet
Dann folgten die Reste der Sportunterkünfte. Davon ist nur noch ein ganz geringer Teil erhalten. Man muß wissen, daß das Olympische Dorf in seinem Grundriß dem Deutschen Reich (in den Grenzen von 1936 folgte) und die Häuser – je nach Standort geografisch korrekt, entsprechende Namen deutscher Städte erhielten. So wohnte Jesse Owens (der erfolgreichste Sportler der Olympiade 1936 und – zum Ärger der Nazis – Publikumsliebling) beispielsweise im Haus Dresden, in das mir ein Blick durch das Fenster gelang
. Das Zimmer wurde als einziges wieder in etwa so hergerichtet, wie es zur Olympiade war.
Zum Schluß des spannenden Ausflugs in die Geschichte sahen wir uns noch (leider nur von außen) das Schwimmbad an
1936 Schwimmbad mit elektrischen Fensterhebern (die linke Seite ließ sich komplett öffnen, was in dieser Art eine Weltneuheit war) ![]()
und 2007 (in den Neunzigern legten Jugendliche Feuer, wodurch fast der gesamte Dachstuhl zerstört wurde, das Gebäude ist baupolizeilich gesperrt, in den Sechsziger und Achtziger Jahren durften auch deutsche Schulkinder hier bei den Russen ihren Schulsport im Schwimmen abhalten)
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Abschließend noch ein kleiner Streifen von unserem Ausflug nach Elstal. .
Wie immer herzlichen Dank an Peet
Das Olympische Dorf von 1936 kann man täglich besichtigen (1,00 € pro Nase und auf eigene Faust). Täglich gibt es außerdem 11:00 Uhr und zusätzlich sonnabends 14:00 Uhr Führungen durch Angehörige der DKB-Stiftung für gesellschaftliches Engagement
Der letzte Beitrag der Reihe war hier zu bewundern.
P.S. Diese historischen Dokumente hab ich in diesem Zusammenhang noch ausgegraben (typisch Propagandaministerium)
für Touristen
der Einzug der Sportler
und so wurden die Wettkämpfe dargestellt
Abschlußzeremonie
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16. August 2007 um 21:41
[...] Der letzte Zeitvergleich ist schon etwa her, er war am 30.04.2007. [...]