Gestern hat die Leiterin des Bundes-Fremdenverkehrsamtes M. Böhmer dazu aufgerufen, für die (etwas seltsamen) Wortschöpfungen Migrant/Migrantin (noch schlimmer ist ja das verbrämende “Migrationshintergrund”) neue Worte zu finden und diese an die Integrationsbeauftragte, Bundekanzleramt, Berlin zu senden. Also los, strengt Eure Rübe an (Vorschläge aus den verschiedensten Lagern gibt es ja bereits en masse: eher neutral: Fremde [paßt auf Vieles], Fremdländer, Ausländer, Einwanderer, Gastarbeiter, die vielen Vorschläge aus dem rechten Lager erspare ich Euch lieber, höchstens das bitterböse Sozialmaden [was dann auch wieder auf verschiedenste Speziesmitglieder zutreffen würde] sei – recht ungern – erwähnt.)
Ich für meinen Teil freue mich allerdings eher auf die neue Migration meines Heimnetzwerkes, welche demnächst ansteht.

Derweil holzen die nimmersatten Post-Kommunisten aus China (das – zugegebenemaßen indirekte – Entfernen sämtlicher Eisenteile des Landes reicht offenbar nicht) inzwischen unseren guten alten, deutschen Wald ab. Zumindest kaufen sie große Waldstücke auf und lassen sie ausschlachten, da schlägt sogar die Forstverwaltung schon Alarm, wie hier zu lesen war.
Aufgemerkt: Ein Kulturgut ist in Gefahr, wir hatten doch schon immer ein eigenes Verhältnis zu unseren Wälder (die Wälder waren/sind Schutz, Zuflucht, Schlachtfeld, Lebensraum der seltsamsten Sagen- und Märchengestalten), was immer wieder in allerlei Literatur zum Ausdruck kommt, z. B.
Als wären sie von mir mit Thränen auffgeschwellt.
Der Eichen fester Stamm/ die Last der harten Steine/
Bewegt durch meine Pein und Qual/
Zerreist in Stück und springt in Drümmer/ wenn ich weine/
Zum Zeichen/ daß sie mich beklagen allzumahl.Drum/ angenehmer Wald/ du Trotz der rauhen Winde/
Wie süß und lieblich bist du mir!
Dieweil ich überall bey dir Erbarmen finde/
So leg ich iederzeit mein Seufftzen ab bey dir.
[Abschatz: Gedichte. Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky, S. 5656
(vgl. Abschatz-Gedichte 1, S. 282)]
oder
Thüringer Wald
O schöne Gegend/ welche mir
Das alte Deutschland stellet für/
Wie unsrer Tuisconen Schaar
Vorzeiten so vergnüget war/
Wie sie dem linden Strome nach
Der Silber-hellen Spiegel-Bach
In ein begrüntes Thal hinaus
Gebauet manch geringes Hauß/
In welchem sie mit Fried und Ruh
Ihr langes Alter brachten zu/
Und/ ohne schnödes Mein und Dein/
Mit dem vergnüget konten seyn/
Was sonder viel-gebrauchte Müh
Darreichte Wiese/ Wald und Vieh.
O selig/ wer zu dem bereit
Beschlüssen kan den Lauff der Zeit/
In seines Vaterlandes Schoß/
Von gutten Freunden nimmer bloß/
Um Schätz und Gütter unbetrübt/
In keine Pracht der Welt verliebt/
Läst seine beste Lust allein
Freund/ Bücher und Gewissen seyn/
Geniest des Orts in stiller Ruh
Der seinen Sitten saget zu.Ihm zeiget sich der grüne Wald
Nicht minder nütz als wohlgestalt/
Der Glutt und Kühlung bey sich trägt/
Und tausend Sänger in sich hegt.
Da sieht er/ wie der kläre Fluß
Zum Tranck und Spiegel dienen muß:
Da giebt ihm Ruhe bey der Nacht
Vor Sorgen-voller Bette Pracht/
Die mehr als Bley und Centner schwer/
Das auffgebreitte Blumen-Heer/
Wenn seine Lichter schläffet ein
Der viel beschaute Monden-Schein/
Der Himmel und ein freyer Mutt
Deckt seine Glieder mehr als gutt/
Zur Speise dienet Frucht und Wild/
So den gesunden Magen füllt
Ohn eitle Sorge für den Leib.
Gedancken seyn der Zeit-Vertreib/
Die sich ohn allen Kummer frey
Dem Sternen-Dache schwingen bey/
Und hat er keinen Uberfluß
So ist nichts/ was er darben muß.
[Abschatz: Gedichte. Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky, S. 6309
(vgl. Abschatz-Gedichte 4, S. 86-87)]
weiter
Der grüne Wald
1835.
O der süße, grüne Wald,
Wo wir einst in Wonne klangen,
Wo wir spielten, wo wir sangen,
Wo wir tanzten Maientänze,
Wo wir pflückten Maienkränze,
O der süße, grüne Wald!
Wie er immer widerhallt,
Wie er schallt:
Wilibald! Wilibald!Schalle nur, du grüner Wald,
Rufe immer deinem Frommen,
Ach! Er kann nicht wiederkommen!
Blühet, Blumen, flüstert, Blätter,
Klinget, Vöglein, das Geschmetter
Eures Lenzes durch den Wald –
Bleich ist eure Lichtgestalt,
Stumm und kalt –
Wilibald, Wilibald.O du süßer, grüner Wald!
Wo wir nun in leisen Tränen
Uns nach unserm Liebling sehnen,
Nimmermehr im frischen Maien
Mit der jungen Lust juchheien –
Rufe ewig, grüner Wald,
Mit der Liebe Allgewalt,
Daß es schallt:
Wilibald! Wilibald!
[Arndt: Gedichte. Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky, S. 22025
(vgl. Arndt-Werke Bd. 1, S. 212-213)]
natürlich Eichendorff
Im Walde
Es zog eine Hochzeit den Berg entlang,
Ich hörte die Vögel schlagen,
Da blitzten viel Reiter, das Waldhorn klang,
Das war ein lustiges Jagen!Und eh ich’s gedacht, war alles verhallt,
Die Nacht bedecket die Runde,
Nur von den Bergen noch rauschet der Wald
Und mich schauert im Herzensgrunde.
[Eichendorff: Gedichte (Ausgabe 1841). Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky, S. 110509
(vgl. Eichendorff-W Bd. 1, S. 49)]
weiter
Der Jäger Abschied
Wer hat dich, du schöner Wald,
Aufgebaut so hoch da droben?
Wohl den Meister will ich loben,
Solang noch mein’ Stimm’ erschallt.
Lebe wohl,
Lebe wohl, du schöner Wald!Tief die Welt verworren schallt,
Oben einsam Rehe grasen,
Und wir ziehen fort und blasen,
Daß es tausendfach verhallt:
Lebe wohl,
Lebe wohl, du schöner Wald!Banner, der so kühle wallt!
Unter deinen grünen Wogen
Hast du treu uns auferzogen
Frommer Sagen Aufenthalt!
Lebe wohl,
Lebe wohl, du schöner Wald!Was wir still gelobt im Wald,
Wollen’s draußen ehrlich halten,
Ewig bleiben treu die Alten:
Deutsch Panier, das rauschend wallt,
Lebe wohl!
Schirm dich Gott, du schöner Wald!
[Eichendorff: Gedichte (Ausgabe 1841). Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky, S. 110734
(vgl. Eichendorff-W Bd. 1, S. 153)]
noch eins ![]()
Waldgespräch
»Es ist schon spät, es wird schon kalt,
Was reitst du einsam durch den Wald?
Der Wald ist lang, du bist allein,
Du schöne Braut! Ich führ dich heim!«»Groß ist der Männer Trug und List,
Vor Schmerz mein Herz gebrochen ist,
Wohl irrt das Waldhorn her und hin,
O flieh! Du weißt nicht, wer ich bin.«So reich geschmückt ist Roß und Weib,
So wunderschön der junge Leib,
»Jetzt kenn ich dich – Gott steh mir bei!
Du bist die Hexe Lorelei.«»Du kennst mich wohl – von hohem Stein
Schaut still mein Schloß tief in den Rhein.
Es ist schon spät, es wird schon kalt,
Kommst nimmermehr aus diesem Wald!«
[Eichendorff: Gedichte (Ausgabe 1841). Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky, S. 111079
(vgl. Eichendorff-W Bd. 1, S. 315)]
Goethe darf nicht fehlen, hier mal etwas eher Unbekannteres:
Hier tat sich nun der Thüringer Wald in Länge und Breite vor uns auf; denn nicht allein die dortigen schönen Besitztümer des Fürsten, sondern, bei guten nachbarlichen Verhältnissen, sämtliche daranstoßenden Reviere waren uns zugänglich; zumal da auch die angehende Geologie in jugendlicher Bestrebsamkeit sich bemühte, Rechenschaft von dem Grund und Boden zu geben, worauf diese uralten Wälder sich angesiedelt. Nadelhölzer aller Art, mit ernstem Grün und balsamischem Dufte, Buchenhaine von freudigerm Anblick, die schwanke Birke und das niedere namenlose Gesträuch, jedes hatte seinen Platz gesucht und gewonnen. Wir aber konnten dies alles in großen, meilenweiten, mehr oder weniger wohlbestandenen Forsten überschauen und erkennen.
Auch wenn von Benutzung die Rede war, mußte man sich nach den Eigenschaften der Baumarten erkundigen. Die Harzscharre, deren Mißbrauch man nach und nach zu begrenzen suchte, ließ die feinen balsamischen Säfte in Betrachtung ziehn, die einen solchen Baum ins zweite Jahrhundert, von der Wurzel bis zum Gipfel begleiteten, ernährten, ewig grün, frisch und lebendig erhielten.
Hier zeigte sich denn auch die ganze Sippschaft der Moose in ihrer größten Mannigfaltigkeit; sogar den unter der Erde verborgenen Wurzeln wurde unsre Aufmerksamkeit zugewendet. In jenen Waldgegenden hatten sich nämlich, von den dunkelsten Zeiten her, geheimnisvoll nach Rezepten arbeitende Laboranten angesiedelt und vom Vater zum Sohn manche Arten von Extrakten und Geisten bearbeitet, deren allgemeiner Ruf von einer ganz vorzüglichen Heilsamkeit durch emsige sogenannte Balsamträger erneuert, verbreitet und genutzt ward. Hier spielte nun der Enzian eine große Rolle, und es war eine angenehme Bemühung, dieses reiche Geschlecht nach seinen verschiedenen Gestalten als Pflanze und Blüte, vorzüglich aber die heilsame Wurzel näher zu betrachten. Dieses war das erste Geschlecht, welches mich im eigentli-
chen Sinne anzog, dessen Arten kennen zu lernen ich auch in der Folgezeit bemüht war.
[Goethe: Morphologie. Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky, S. 174158
(vgl. Goethe-HA Bd. 13, S. 151)]
So das reicht. Der letzte Beitrag zum Thema Deutsch für Deutsche war übrigens hier
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Frau Böhmer ist beneidenswert; ihrer Affinität zur deutschen Sprache sind keine Grenzen gesetzt: „…mit speziellem Augenmerk auf Frauen, die ’Motorinnen der Integration’, wie Böhmer mit dezentem Verweis auf das Frauen-Trio auf der Regierungsbank anmerkt, [seien]…” (Quelle: Tagesspiegel)
Motorinnen. Herrje.
Ich glaub´s ja nicht
Die kommt ja gleich nach dem Bundestagspräsidenten Lammert, der ja auch in gewisser Weise sprachaffin ist. Wobei, so ganz unrecht hat er ja nicht
Die Motorinnen des Fortschritts haben für die Löser und Löserinnen des Hörerinnen- und Hörerrätsels eine Seitin gefunden:
http://www.bruehlmeier.info/sprachfeminismus.htm
Liebe Grüße
Oder noch ein gutes Beispiel: BauOBerlin
Die empfohlene Seite ist wirklich lesenswert, wie kommst Du da bloß immer drauf?
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