Dies kam mir heute in den Sinn, als ich mal einen vergleichenden Versuch der Haupt-Nachrichtensendungen der beiden öffentlich-rechtlichen Sender ZDF und ARD machte:
19:00 Uhr “heute”
- Aufmacher: 6 min das ungemein wichtige Thema eines mutmaßlichen Vergewaltigers (so würde man ihn zumindest in anderem Zusammenhang nennen, da ein Deutscher allerdíngs in der Türkei – zugegebenermaßen bereits ziemlich lang festgehalten wird- nennt man ihn “Marco” und inszeniert einen unglaublichen Rummel, als er nun freigelassen wurde; selbst Frau M. wurde zu einem Kommentar genötigt) mit Schaltungen nach der Türkei, zu den Anwälten, zur Heimat mit Interviews von Einheimischen. Unglaublich: Die Wahrheit bleibt auf der Strecke und geht eigentlich, was den Fall im speziellen angeht, niemanden was an und gehört auch nicht in die Hauptnachrichtensendung an erste Stelle. Wer hier welches Süppchen kocht, wäre mal viel interessanter zu wissen…
- Danach: Dauerbrenner Klimakatastrophe mit einer Weltuntergangs-Wortwahl (Klima wird zu Tode verhandelt) zur Konferenz in Nusa Dua/Bali mit anschließender Präsentation einer Zuschauerbefragung (“Glauben Sie, daß in Deutschland genug für´s Klima getan wird?” Mein Gott: Was soll man dazu sagen! Bei solch Thema, das wissenschaftlich noch längst nicht ausreichend erforscht ist, auch, wenn neuerdings für entsprechende Lichtbilder-Vorträge Nobelpreise verlost werden – wohlgemerkt: Die eigentliche Leistung des Herrn A. G. möchte ich nicht vollständig “runtermachen”, wenn auch manches eben typisch amerikanisch ist [na und, möchte man meinen]) sowie der üblichen Kaffeesatzleserei (sog. Sonntagsfrage).
- nun: Post-Mindestlohn im Bundestag beschlossen, einzige Gegner die F.D.P., Bundes-Arbeitsminister: Ab 01.01.2008 wird es wegen dieses Mindestlohns den Menschen in Deutschland besser gehen, Beifall Lafontain, Grüne/B 90, CDU/CSU (verhaltener), dabei sind sie schon dabei, das Umsatzsteuer-”Privileg” der DP AG abzuschaffen, man kann sich denken, wer das dann zu bezahlen hat! Und Springer stellt seine Zahlungen für die PIN AG (das sind die, die manchmal nicht zustellen, weil sie zu faul oder zu dämlich sind, mir ein 1/2 Jahr lang passiert, wie sich jetzt herausstellte bzw. regelrecht aggressiv mit ihren Räder die Fußgänger umradeln), während der Herr Zum-Winkel alle für dumm verkauft (wurde an dieser Stelle nicht gemeldet, ist aber trotzdem interessant, da der Post-Chef zum richtigen Zeitpunkt ein Aktien-Schnittchen machte und sich dann bei den Mitarbeitern entschuldigte, er hätte nicht das richtige timing
gehabt!!)
- dann weitere Meldungen und das Wetter mit Hochs und Tiefs mit Namen (! wie niedlich)
20:00 Uhr “tagesschau”
- Aufmacher: Ebenfalls unser Marco, allerdings mit interessanten Details, wie dem Besuch des Türken Öger von der SPD in Antalya und seiner unklaren Rolle (aha, jedenfalls distanzierter berichtet), nur 3 min
- Ausweitung des Entsendegesetzes auf den Postlohn, viel mehr Hintergrund (19 CDU-Leute haben ebenfalls dagegen gestimmt)
- PIN soll weiterbetrieben werden, auch hier blickt man etwas tiefer hinter den Springer-Hintergrund
- dann Elterngeld, Kosovo-Beratungen in Brüssel mit EU-Einigung, als Zuschauer fühlte man sich hier gut informiert und versteht diesen Brennpunkt etwas mehr
- kurz vor dem Wetter: ein wesentlich soliderer und informativerer und nicht mit Weltuntergangs-Vokabular gespickter Bali-Bericht
- außerdem doping im US-baseball
Der Vergleich zeigt für mich klar, noch steht er, der Fels in der boulevardesken/infantilisierten und die Sinne verkleisternden Brandung des Fernsehjournalismus.
Nachgesehen
In der Nacht hatte ich dann noch die Möglichkeit eines Vergleichs mit der ZIB 2 und der Schweizer Sendung 10 vor 10. Obwohl die ZIB 2 auch manchmal so ihre Probleme hat (natürlich nur aus meiner Sicht, und hier meine ich insbesondere den teilweise ziemlich gepfefferten Umgang mit den Interviewpartnern, was für viele die eigentliche Würze der Sendung ausmachen wird), brachte sie beispielsweise einen ziemlich unaufgeregten Beitrag über Bali und ließ auch klimakatastrophenskeptische Aspekte zu Wort kommen (ohne sie, wie ein ranghoher VN-Mitarbeiter wünscht, gleich zu kriminalisieren), nämlich den (in guter k. u. k.-Mentalität) tschechischen Präsidenten, der sein klimakatastrophen-hysteriekritisches Buch vorstellte. Kam in den deutschen Medien natürlich nicht vor. Und die Schweiz, nach dem Blocher-Schock, berichtet ja von je her unaufgeregter.
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