Als sozusagen frohe Weihnachtsbotschaft noch schnell (solange Weihnachten noch erlaubt ist) ein offizielles Papier des Deutschen Bundestages. Statt sich zu schleichen, schleicht es also langsam vorwärts.
Beim Lesen von Tempo 2/1994 fielen mir folgende Listen unter dem Titel
Was wir an Deutschland gerne haben…
… und wo Deutschland uns gerne haben kann
auf.
Da vieles davon heute noch aktuell ist (über manche Sache ist die Geschichte allerdings bereits hinweggegangen), möchte ich die Listen mal in Erinnerung rufen, wenngleich ich durchaus nicht alle Aussagen teile, alors:
Was wir an Deutschland gern haben…
MTV, weil es nicht synchronisiert wird. (Davon ist längst nix mehr übriggeblieben)
Frank Castorf, weil er es wagt, an die Zukunft des Theaters zu glauben.
“Finis” in der “Zeit”, weil Benjamin Heinrichs (den gibt´s lange nicht mehr, selbst in der Suche der Zeit nicht gefunden) dort cool ausblödeln darf.
Feuerwehrleute, weil sie untadelige Helden in Uniform sind.
Die Jahreszeiten, weil sie trotz Rezession (!) nicht reduziert werden können.
Horst Seehofer, weil er sich vor keiner Lobby fürchtet und dabei seinen christlichen Witz bewahrt hat.
Hunde, weil sie sich mit erhobenem Bein gegen die vielen Autos in den Städten wehren.
9. Harry Rohwolt, weil keiner so schön zwischen zwei Zahnlücken schreiben kann.
10. Ulrich Wickert und Wolf von Lojewski, weil sie in geistreicher Melancholie die Schrecken der Welt erklären [das fehlt heute wirklich, zumal die Schrecken größer und die Erklärer immer klein(geistig)er werden.]
11. Die Wanderdünen von Sylt, weil man am besten eben diese Welt vergessen kann.
12. Die Rubrik “Was fehlt” in der “Taz”, weil sie einen für Deutsche untypischen Mut zur Lücke beweist.
13. “Bild“-Kommentare, weil sie uns den Besuch eines Stammtisches ersparen.
14. Boris Becker, weil er mit seinen Interviews die Sauregurkenzeit besser füllt als das Ungeheuer von Loch Ness.
15. Das Streiflicht der “SZ“, weil es die Leichtigkeit des Seins täglich in Sprache gießt.
16. Gregor Gysi, weil er jenseits seiner politischen Grundhaltung intelligent und souverän ist.
17. Die gelben Ortsschilder, weil sie ein Stück positives Deutschland sind.
18. Das Dreiländereck, weil immer zwei Länder in erreichbarer Nähe liegen.
19. Die Hafenstraße, weil sie die beste Alternative zur Neuen Heimat ist.
20. Braunkohl mit Brägenwurst, weil nach keiner Mahlzeit der Verdauungsschnaps so gut schmeckt.
21. Thomas Ebermann, weil der Fundamentalist in Wort und Tat vorführt, daß Politik keine Sauerei sein muß.
22. Max Goldt, weil dieser Autor unfähig ist, eine einzige langweilige Zeile zu schreiben.
23. Mechanische Schreibmaschinen, weil ihr Klang so süß ist und sie den Benutzer nie mit Datenverlust bestrafen.
24. Den FC St. Pauli, weil seine Fans als einzige in Deutschland “You´ll Never Walk Alone” beherrschen, das anrührendste Stück der Musikgeschichte.
25. Die “Lindenstraße“, weil sie beweist, daß das Leben eine Serie ist.
26. “Klartext”-Fußballbücher, weil lebendiger Geschichtsunterricht wichtig ist.
27. Die “Ottifanten“, weil sie belegen, daß auch Zeitungscomics saukomisch sein können.
28. “Lost in Music“, weil es die einzige kompetente Musiksendung im deutschen Fernsehen ist (war).
29. Christoph Schlingensief, weil er mit seinem Film “Terror 2000″ bewiesen hat, daß Autonome keinen Humor haben.
30. Cora E., weil sie Charisma, Charme und Grips hat.
31. Usedom, weil das der schönste Grund für die Wiedervereinigung ist.
32. Die Ärzte, weil sie die beste deutsche Popband sind.
33. Den “Kicker” und die “Titanic“, weil sie in diesen unruhigen Zeiten die einzigen sind, auf die man sich noch verlassen kann.
34. Sibilla Pavenstedt, weil sie die Kleider für Märchenfeen macht.
35. Spätzle, weil die schwäbischen Nudelwürmer das kulinarische Bollwerk gegen den food-Imperialismus jeder Art sind.
36. Franz Steinkühler, weil er den Deklassierten Mut machte und ihnen vorführte, daß auch in der Rezession der große Reibach möglich ist.
37. Marie-Luise Scherer vom “Spiegel”, weil jeder einzelne Satz von ihr mehr enthält als viele Bücher.
38. Horst Hrubesch, weil er Angler ist und ein so häßlicher Deutscher wie er dennoch ein aufrechter Mensch sein kann.
39. Alice Schwarzer, weil sie von allen Männern die witzigste ist.
40. Christian Schwarz-Schilling, weil er gezeigt hat, daß Politiker auch mit Anstand zurücktreten können.
41. Steffen Heitmann, weil jeder seiner Auftritte klar macht, was nicht aus Deutschland werden darf.
42. Aspirin, weil diese Tablette dem Trinker die Würde zurückgeben kann.
43. Dithmarschen, weil dort das Land so flach ist und die Menschen Tiefe haben.
44. Heiner Geißler, weil er wenigstens denkt, was er sagt.
45. Der kleine Eisbär Kai-Uwe aus dem “Wick Blau”-Spot, weil er unser Lebensgefühl in einer kalten feindlichen Umwelt wiedergibt.
46. Die neuen Postleitzahlen, weil die Menschen durch sie endlich wieder zum Bücherlesen kommen.
47. Katja von Garnier und Delev Buck, weil ihre Filme “Abgeschmikt!” und “Wir können auch anders…” die deutsche Filmeinöde belebt haben.
48. Eckart Witzigmann, weil er in der Zeit, in der andere nur schnupfen, ein ganzes Gericht kocht.
49. Die Frauenkirche in München, weil sie im Gegensatz zu ihrem Namen das schönste Phallus-Symbol Deutschlands ist.
50. Überraschungseier, weil sie nicht nur mit Schokolade Nervennahrung bieten, sondern auch mit inzwischen fünf Serien von Gartenzwergen die deutsche Seele laben.
…und wo Deutschland uns gerne haben kann
Lothar Matthäus, weil er mit seinem Schwanz spricht, bevor er denkt.
Johannes Willms, weil er den Reportern des “SZ”-Feuilletons den Platz stiehlt.
Gerhard Meir, weil er spricht, statt Glatzen zu kämmen.
Das Wort “ethnische Säuberungen“, weil es den sauberen Deutschen hilft, so dreckige Sachen wie Vergewaltigung und Folter und Massenmord zu verdrängen.
Der soziale Wohnungsbau, weil er die Leute zwingt, in Schuhschachteln (früher ABC genannt) zu leben.
Die Vorliebe für Fremdwörter, weil sich darin mangelndes Selbstvertrauen in die eigene Sprache manifestiert.
Viele Journalisten, weil sie Analphabeten sind, die lesen und schreiben können.
Männermanieren, weil sich Deutsche nur gut benehmen, wenn sie schwul sind.
Meister Propper, weil Glatzköpfe, die für Ordnung und Sauberkeit eintreten, von gestern sind.
Udo Lindenberg, weil er nur noch ein Schaden seiner selbst ist.
Der Grüne Punkt, weil es sich dabei um den größten, alle Verbraucher ausnehmenden Etikettenschwindel handelt.
Sülze, weil sie noch schlechter schmeckt, als sie eh schon aussieht.
Erwin Huber, CSU-Generalsekretär, weil er nicht denkt, wenn er was sagt.
Rolf Töpperwien, weil er der schlechteste und lauteste aller Sportreporter ist.
Claudia Schiffer, weil nicht in jedem gesunden Körper ein gesunder Geist wohnt.
Bodo Kirchhoff, weil er so schwafelt, wie er schreibt, und so schreibt, wie er schwafelt.
Ferdinand Piech, weil zwölf Kinder noch kein Beweis von Führungsstärke sind.
Jesicca Stockmann-Stich, weil sie die deutsche Yoko Ono ist, allerdings nicht so begabt.
Marc-Kevin Goellner, weil er zu doof ist, eine Baskettballmütze richtigrum zu tragen.
20. Die Bundeswehr, weil sie Soldaten heranbildet, die in Somalia Landsertagebücher schreiben statt Minen zu räumen.
21. Heinz Klaus Mertes, weil er trotz seiner Segelohren in Kanzlerärsche kriechen kann.
22. Wim Wneders, weil er nur über amerikanische Filme jammert, statt selbst bessere zu machen.
23. Die Böhsen Onkelz, weil es sie noch immer gibt.
24. Martin Buchholz, weil er der langweiligste Wortspieler unter den deutschen Kabarettisten ist.
25. Die rechten Biedermänner, weil sie Neonazis und Brandstifter klandestin ermutigt haben.
26 Klandestin, weil kaum einer weiß, was das Wort sagen will.
27. Angela Merkel, weil sie aussieht und spricht wie die Inkarnation des deutschen Mutterkreuzes.
28. Wolfgang Schäuble, weil er so spricht, wie er denkt.
29. Cora Stephan, weil sie in ihren Artikeln stets nur ein Gedanke variiert wird: Links nix gut!
30. Brigitte Seebacher, weil mit Willy Brandt der Falsche zu früh von uns gegangen ist.
31. Der Ullstein-Verlag, weil er die Ergüsse rechtsradikaler Schreiber veröffentlicht.
32. Eugen Drewermann, weil sein Katholizismus light langsam sogar Protestanten auf den Keks geht.
33. Dieter Gorny, weil der (ehemalige) Geschäftsführer von VIVA der schlimmste Wichtigtuer der deutschen Popszene ist.
34. Straßenmusikanten (noch schlimmer sind die in U- und S-Bahn), weil sie mit ihrer Talentlosigkeit und Lautstärke jeden Einkaufsbummel ruinieren.
35. Helmut Schmidt, weil die öffentliches Selbstdemontage eines elder statesman erschütternd ist.
36. Campino, weil der Sänger der Toten Hosen das Vorurteil bestätigt, Rockmusiker seinen geistlos, schrill und geil.
37. Deutscher Hip-Hop, weil er so minderklassig ist, wie deutscher Kaviar.
38. Heinz G. Konsalik, weil er so denkt (dachte), wie er schreibt (schrieb).
39. Dicke Menschen in enger Kleidung, weil Wurst nur auf den Teller gehört.
40. Die Farben Schwarz-Rot-Gold, weil sie nicht so sinnlich aussehen, wie Blau-Weiß-Rot.
41. Die Hamburger Idee von Wohnungskontrolleuren, weil wir Blockwarte schon einmal hatten.
42. Heiße Stühle im privaten Fernsehen, weil dort nur kalter Haß entsteht.
43. Die norddeutsche Tiefebene zwischen Oktober und März, weil sie dann nicht zur menschlichen Besiedlung geeignet ist.
44. Trendforscher, weil sie für laue Winde harte Währung kassieren.
45. La Ola, die Welle, weil sie nur noch für verordnete Begeisterung steht und fällt.
46. Hans Hubert Vogts, weil er versucht, den Mann von Welt zu spielen.
47. Dirk Bach, weil er es komisch findet, mit behaartem Bauch durchs Fernsehbild zu hüpfen.
48. Das ß zum Beispiel in daß, weil das so häßlich ist.
49.Thomas Gottschalk, weil er der am besten angezogene Transvestit Deutschlands ist.
50. Der lange dunkle Winter, da er so anstrengend ist.
Ich habe Nummer 2.875 dieser mit 3.200 Exemplaren limitierte Ausgabe ergattert (Mohn-Druck hat ausgeliefert). Ich muß sagen, sehr edel, gut verarbeitet, weißes Leder, Silberschnitt, tolles Papier, Superdruck und ein Vorwort vom Vorstandsvorsitzenden.
Während ich mich mit der papiernernen Vergangenheit beschäftige, ereilt mich die Nachricht, daß die Welt wirklich eine Google wird…Nur noch eine Weile, und eine Privatfirma bestimmt die Geschwindigkeit im Netz und bunkert das Wissen der Welt. Dann lieber Papier in Leder gebunden.
Nachdem es offensichtlich jemand zu gut mit mir meinte, habe ich mich entschlossen, meine Seite ohne lästige Werbung weiterzuführen.
Ab sofort also werbefrei, was man vom Briefkasten eben nicht sagen kann. Der quillt regelmäßig über von Friede-Freude-Weihnachtskuchen-Reklame. Heute allerdings war neben Pizzaspeisekarte, Rentnertreff, Postaufforderung, bis zum 21.12. alles aufgegeben zu haben, damit es noch rechtzeitig ankommt und Umzugsangeboten verschiedenster Art auch dies:
Da lagen die, die es nicht lassen können neben denen, die es immer wieder versuchen. Und das wollte ich euch nicht vorenthalten.
Und alle haben es mit dem Denken (wofür Einstein alles herhalten muß). Ich hab nicht lange nachgedacht und alles mit kühnem Schwung in den Papierkorb befördert.
Nun hat es die Kaffeehäuser, besser coffeeshops, in Holland erwischt. Wie der “Weltspiegel” heute abend berichten wird (jawoll: Ich habe seherische Fähigkeiten), werden immer mehr dieser Läden schließen, da sich in der Nähe dieser “Geschäfte” zunehmend BTM-Händler mit harten Drogen (Fachjargon: Drogen-dealer) aufhalten und das Geschäft versauen.
Apropos, seherische Fähigkeiten: zur Zeit überbieten sich ja in Deutschland alle (Politiker, Firmen, “Wirtschaftsinstitute”) darin, das Jahr 2009 zum Jahr schlechter Nachrichten zu küren. Abgesehen davon, daß auch ich mich ab und zu dabei ertappe, düstere Prognosen abzugeben bzw. die Zukunft vorauszusagen (“Die Mauer wird fallen”, “Es kommt zur totalen Verelendung des Deutschen Volkes”, “Nächstes Jahr werde ich 50!”, was manchmal stimmte und manchmal hoffentlich nicht), will ich im neuen Jahr 2009 versuchen, jeden Tag eine gute Nachricht festzuhalten. Der geneigte Leser wird das unter der Rubrik “Frohe Botschaft” (es ist ja grad Weihnachten) finden. Zuletzt kamen die Glühbirne, die Adam Opel AG, ein Herz für Kinder und die Goldene Kamera weg.
Es hat auf Anhieb geklappt, bin von 2.6 direkt auf 2.7 gegangen.
Und nachdem auch das Problem mit der korrekten Anzeige meiner Startseite nach Aktivierung der plugins klappte, der admin-Zugriff wurde nicht angezeigt (aber mittels Chronik kam ich am einfachsten auf den Tellerrand), erstrahlt letzterer (seltsamerweise seit 2.6 dashboard genannt) in neuem Glanz. Und das gefällt mir doch recht gut, jetzt heißt es erst einmal auf Entdeckungsfahrt zu gehen. Das beste an der neuen Version ist ja wohl die automatische update-Funktion, wie man sie schon von den plugins her kennt.
Nach dem letzten Beitrag heute nur mal so für die Chronik, was demnächst so wegkommen wird:
die Glühbirne bis spätestens 2012 (nach den Vorgaben der EU-Bürokraten)
die Adam Opel AG möglicherweise demnächst (irgendein [natürlich amerikanischer] Autofritze prognostiziert das Überleben von 6 Autokonzernen nach der “Krise”)
Derweil fand ich Anne Clark wieder, mit ihrem “Poem For A Nuclear Romance” gab sie ganz gut das Lebensgefühl der 80er Jahre wieder, paßt vielleicht auch heute noch ganz gut?
What will it matter then
When the sky´s not blue but blazing red
The fact that I simply love you
When all our dreams lay deformed and dead
We´ll be two radio-active dancers
Spinning in differant directions
And my love for you will be reduced to power
The screams will perform louder and louder
Your marble flesh will soon be raw and burning
And kissing will reduce my lips to a pulp
Hideous creatures will return from the underground
And the fact that I love you
Will die
You don´t have to sleep to see nightmares
Just hold me close
Then closer still
and you´ll feel the probabilities pulling us apart.