Archiv der Kategorie ‘Muttersprache‘

 
 

Wieder was weg XXIV

Frau Boa Sr († 85) ist gestorben. Und das vor einigen Tagen. Das wäre nun nichts besonderes und keinen Eintrag wert, wenn, ja wenn sie nicht die letzte ihres Stammes gewesen wäre (Bo von den Andamanen).

Damit erlischt auch eine der ältesten Sprachen der Erde Aka-Bo (nie gehört, und das werd` ich auch nicht mehr).

Deutsch für Deutsche XVI

Das wird bei uns natürlich alles viel einfacher gehen, nämlich freiwillig. Die paar Alten, die sich noch (vergeblich) wehren, sterben weg und dann ist freie Bahn für die Kolonialsprache. Unter dem Deckmantel der Globalisierung (richtiger Amerikanisierung) üben sie schon mal, ob EU (Oetinger als jüngstes Beispiel) oder beim jüngsten Versuch, Deutsch als heimische Gerichtssprache zu kippen (grad nochmal abgelehnt worden, bis zum nächsten Mal).

Weg kamen vor einer Weile einige Schilder, noch länger ist die letzte “Deutschstunde” (hat eh keen Zweck) her.

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Universal-Übersetzer

Als besonderen Service für unsere ausländischen Besucher bieten wir ab sofort einen kleinen Übersetzungsdienst für meine Seiten in verschiedene Sprachen (siehe nebenan).

Deutsch für Deutsche XVI

Es gibt 70 neue deutsche Wörter! Die Kulturzeit hatte unlängst einen Aufruf gestartet, vermeintlich oder tatsächlich bestehende Lücken in unserer Muttersprache zu schließen. Nun kann man trefflich streiten, ob für den einen oder anderen Umstand ein besonderer Begriff überhaupt nötig war, löblich ist die Initiative allemal. Manch einem ist noch im Sinn, daß vor einigen Jahren ein Wort dafür gesucht wurde, den Zustand zu beschreiben, wenn man genug getrunken hat, einer Entsprechung also zum “satt”. Herausgekommen war seinerzeit das Wort “sitt”, bekanntlich hat es bisher nicht den Weg in die Alltagssprache gefunden. Bleibt abzuwarten, welches Schicksal den im folgenden aufgeführten Gewinnern beschieden sein wird.

Ich habe einmal aus meiner Sicht versucht, die Vorschläge in sinnvoll und eigentlich nicht notwendig einzuteilen, wobei ich erstere an den Anfang stelle:

Sinnvolle Wortneuschöpfungen

  • nicht riechen können: geruchstaub, Niecher, nonasal
  • nicht schmecken können: gaumentaub, ingust
  • eine Person, deren Namen man vergessen hat: Ohhallodu
  • Jemand, der die Meinung anderer Leute übernimmt, da er keine eigene hat: Nachmeinler
  • das Gegenteil zu “dauern”: plötzen, hurten
  • die kleine Leuchte im Lichtschalter: Glimmerli
  • eine Wahrheit, die jeder kennt, aber niemand ausspricht: Kaiserkleid
  • jemand, der sich ständig unnötig Sorgen macht: Grämerseele, Zittribus, Überhase
  • giftiger Uferschaum: Gleische, Gülsch
  • alles, was unser Auge, unser Sehen stört (analog zur Lärmbelästigung beim Hören): Blickmüll
  • frühmorgens schon sehr gut gelaunt sein: frühfroh
  • der Bruder/die Schwester der Ehefrau, vom Ehemann aus gesehen: Schwieger(in)
  • Trauer um vergangene Zeit (analog zum Heimweh): Zeitweh

Eigentlich überflüssige, neue Wort

  • ein falsches Lächeln: Scheinlächeln
  • der 2. und der 4. Zeh: Zeigezehe und Ringzehe
  • ein unbeabsichtigter Anruf, z. B. durch Sitzen auf dem Mobiltelefon: Fehlfon, Versehruf, Sitzschaltung, mobiler Zufall, Dunkelwahl, Taschenruf
  • das Innere des Brötschens: Brötchenwatte
  • der Geruch, den der Regen hervorbringt, wenn es lange Zeit warm und trocken war: Regenwürze
  • das zwiespältige Gefühl, wenn etwas genauso kommt, wie man es gewünscht, gehofft oder lange vorbereitet hat: Sehnsorge, Entwünschungsleere
  • eine männliche Mätresse: Matratzo
  • die Bevorzugung gutaussehender Menschen: Bellomanie, Adonisbonus
  • ein Mensch mit multinationaler Herkunft: Vielwurzler, Neubabylonier, Globant
  • der vergebliche Versuch, sich an einen Traum zu erinnern: Traum-Alzheimer
  • bereit zum Lachen sein: angegackert
  • das, was von einer Sache ausgeht, der man Interesse entgegenbringt: Glückssog
  • der Prozeß der Digitalisierung: Googlelisierung, Googlisierung
  • ein Schwätzer, der die Umstehenden mit seinen Geschichten langweilt: Lidsenker, Babbler, Dunstplauderer, Schwatzling
  • Schuldgefühle, die man bekommt, wenn man klatscht und tratscht: Gewissensnager
  • jemand, der sich gern als Opfer sieht: tiefmütig
  • aus irgendeinem Grund: irgendwarum
  • wenn man nachts im Monschein läuft und der fahle Schatten seiner selbst einen still begleitet: Mondscheinläufer
  • sich etwas ausdenken: Gedankenweber
  • etwas, das einem auf der Zunge liegt: Zungenlieger
  • langsam arbeiten: tränteln
  • ein sehr schöner Mensch: Hübschling
  • nörgelig und mürrisch: nörrisch
  • Suffix für alle Verwandten väterlicher- bzw. mütterlicherseits: -va bzw. -ma, z. B.  Onkelva
  • Saugglocke für das WC: Pufka
  • die manchmal ungleiche Verteilung des Wetters zwischen Tag und Nacht: Wetterverschwendung
  • einen nicht ganz gerade liegenden Kartenstapel ausrichten: sapsen
  • Schneenieseln: schnieseln
  • kostenpflichtiges Telefongewinnspiel: Verlierspiel
  • jemand, der verblüffend schnell seine Meinung ändert: Trendlemming
  • die Unart, sich ständig neue Wörter auszudenken: Idionamie
  • Unmutsäußerung: knöhren
  • antriebslos sein: drömeln
  • jemand, der zwischenmenschliche Beziehungen ausdiskutiert und zerredet: Kopfschwätzer
  • nach dem Aufwachen dem Traum nachhängen: traumsuhlen
  • nach einem Liebeskummer untröstlich, todunglücklich sein: balzwund
  • Prophetenalarm und Substanzvampire (keine Ahnung, was das soll)

Ich möchte ja nicht knöhren, aber vieles ist doch Idionamie. Ich war zu drömelig, um mitzumachen. Daher noch schnell ohne zu tränteln, die kurze Mitteilung, daß Deutsch für Deutsche XV sich ganz um uns selbst drehte.

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Evolution

Zitat des Bundesverbandes Deutscher Investmentgesellschaften aus den 90er Jahren:

In Puncto Geldanlage haben die Deutschen irgendwann die Evolution verschlafen!

Sehr geehrte Herren, abgesehen davon, daß man das so eigentlich nicht sagen kann, denn glaubt man dem weiland so verehrten Herrn Darwin, ist es ja auch Evolution, wenn bestimmte Entwicklungen, die sich als falsch herausgestellt haben, nicht mitgemacht werden und sich halt das oder der durchsetzt, der geschlafen hat, sehen wir ja, wohin diese ganze halbseidene, zügellose Geldanlegerei geführt hat. Da hatte es schon was, daß “die Deutschen” mehr auf die Realwirtschaft gesetzt haben. Apropos: Das ist dann doch mal eine gelungene Wortschöpfung, denn hätte man das Pendant treffender als als irreal bezeichnen können?

Also, Angie und Sarkotzi, hart bleiben, gegen die neuerlichen angelsächsischen Wünsche!

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Splitterkopf

Während ganz Deutschland (auch so ein Quatsch aus dem Bereich “Welthirnjauche”, ganz Deutschland!) sich noch über die Folgen aus den Handlungen drüsengestörter, mit sich und der Welt nicht zurechtkommender Mörder und Schulmassakerer (heißt das so?) auseinandersetzt und sich über die Sinnhaftigkeit von Mörder-Anlernspielen wie counterstrike und deren Verfügbarkeit streitet, werde ich und meinesgleichen seit kurzem in der MIT-Management-Sprachsülze als Splitterkopf bezeichnet. Soll man sich da noch wundern, in CS gehören zerplatzende und zersplitternde Köpfe zur lustigen Computeranimation (Bilder lasse ich hier mal lieber weg), in der Arbeitswelt werden Menschen abfällig mit derartigen sprachlichen Entgleisungen bezeichnet (natürlich ist alles gar nicht so gemeint!). Während die Leute früher Kruppianer, Reichsbahner oder sonst wie bezeichnet wurden und sich selbst so nannten, sind sie heute Menschenmaterial, Splitterköpfe oder was es sonst noch so gibt, wie wäre es denn mit Biomüll statt Rentner? Sprache ist so verräterisch!

Übrigens, Splitterkopf: Laut Grimmschem (nicht Märchen- sondern) Wörterbuch verstand man unter Splitterkopf

nd. splötterkopp: “Schreckgestalt für Kinder, mit einem Kopf aus Splittern.”

Bildlich kann man sich das etwa so vorstellen:

Hört man sich auf Berlins Straßen um, kommt einem das zu Ohren.

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Zeitvergleich XXI

Wie sich die Bilder gleichen! Das kam mir in den Sinn, als ich gestern morgen in die U-Bahn einstieg und Aufkleber vorfand, mit denen man irgendwelche “Nazibastards” (gemeint sind wahrscheinlich MitbürgerInnen mit rechtsradikalem Gedankengut) auf angelsächsisch aufforderte, sportlichen Aktivitäten nachzugehen.

1934-1945 Rechts: SS-Totenkopfverbände

Kragenspiegel

2009: Links:radikal

U-Bahn-Aufkleber

Der letzte Zeitvergleich war 5:11 Uhr.

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So sollte ein Interview nicht sein

Gestern klingelte mich Infratest oder Infas oder so an (genau kann ich das nicht sagen, da sich die Dame doch recht kurzangebunden und nuschelig gab). Es kam zu folgendem Wortwechsel:

Kann ich Ihnen einige Fragen stellen?

(Was ja schon die erste war…)

Na klar, wenn es nicht zu lange dauert, mein Schnurlostelefon pfeift nämlich auf dem letzten Loch!

Haben Sie keine Ladestation?

Da hab ich es eben da rein gestellt und mit dem (viel zu kurzen) Kopfhörer wieder mit ihr gesprochen. Nach den üblich Angaben (Alter, Haushaltsmitglieder…) kam natürlich die bekannte Sonntagsfrage, die ich auch beantwortete. Ich wähle natürlich, habe immer gewählt und werde auch zur Abgeordnetenhauswahl die Partei mit den drei Buchstaben wählen (was sonst!). Dann kamen aktuelle Fragen, wie

Was halten Sie von den 500,00 € Einkaufsgutscheinen, die jetzt für jeden Bürger im Gespräch sind? Ja oder nein?

Nein!

Ist doch Schwachsinn, reiner Aktionismus! Klingt erstmal gut, bringt aber nicht viel, obwohl man natürlich das Geld gut gebrauchen könnte. Sollte lieber das Steuersystem dauerhaft geändert/vereinfacht werden. Alles andere mutet außerdem fast wie Lebensmittelkarten oder Bezugsscheine an (war natürlich in anderem Kontext, ich weiß). Weiter mit den Ja-/Nein-Fragen:

Wenn nicht für alle, dann vielleicht für die Rentner/Hartzer?

Ja

Außerdem hatte ja die Nahles m E von 250,00 € gesprochen (oder so ähnlich), wo jeder noch einmal 200,00 € selbst drauflegen muß, damit der Schein einlösbar wird. Woher sollen die meisten Leute das nun wieder nehmen? Aber es ging ja nur ja oder nein.

Dann kam eine interessante Frage, bei der ich mich wieder in der Zwickmühle befand:

Die CDU hat – gegen den Willen der Führung beschlossen – sich für die Aufnahme der Sprache “Deutsch” in das Grundgesetz einzusetzen. Unterstützen Sie das jetzt?

Da blieb mir leider nur:

Nein!

Begründen konnte ich das leider nicht, dabei hätte ich dazu einiges zu sagen gehabt. Was mich dann allerdings doch erzürnte, war die Reaktion des Zentralrats der Muselmänner. Vielleicht sollte man sich entschuldigen, daß hierzulande diese Sprache teilweise noch gesprochen wird!

Dann gings ums Rauchen und Essen, ob ich z. B. Zigaretten rauchen würde, die man vorgefertigt in bereitliegende Hüllen schieben kann. Ich verneinte das natürlich. Und dann fing die an, mir ungelogen 20 Firmen aufzuzählen, die diese Art von Zigaretten herstellen (jedes Mal Ja/Nein), sie ließ sich auf nichts ein, und betete ihre Litanei herunter.

DummerGlücklicherweise stüzte danach mein Telefon wegen einer unglücklichen Bewegung meinerseits aus der Ladeschale auf die Erde, danach ging nix mehr. Auch ein neuerlicher Anruf (natürlich ohne Nummernanzeige) blieb erfolglos. Für den Abend hatte ich Ruhe.

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Deutsch für Deutsche XIV

Sprüche

Wir können alles – AUSSER Hochdeutsch.

Werbung für Öttingers Baden-Württemberg

Wir können alles – UND Hochdeutsch.

MP Carstensen bei der Maifeier 2008 auf Nordstrand

Manamana

Sesamstraße


XIII war hier.

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Deutsch für Deutsche XIII

Gestern war die Stimmung auf den öffentlichen Aufführorten der Fußball-Direktübertragung endlich einmal so, wie es sich für einen Ort namens public viewing gehört! Die angelsächsischen Muttersprachler verstehen darunter nämlich nur eins: Öffentliche Aufbahrung.

Und überhaupt diese Fahnenschwenker und Autoschmücker, was ja nun Gott sei Dank wieder vorbei ist, muß man fragen,

  • was ist das für ein “Deutschland”, das überall nur germany heißt?
  • was sind das für “deutsche Fahnen” auf denen coca cola, Krombacher oder was für ein Schwachsinn sonst stehen?
  • übrigens die deutschen Farben lauten schwarz – rot -gold (RAL 1021 Rapsgelb bzw. EE C9 00) nicht (#FFFF00)

Im letzten Beitrag dieser Reihe ging´s um´s Vereinfachen der Sprache ;)

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Deutsch für Deutsche XVII

Vorschläge zur Vereinfachung der deutschen Sprache in fünf Schritten

1. Schritt: Wegfall der Großschreibung

einer sofortigen einführung steht nichts mehr im weg, zumal schon viele grafiker und werbeleute zur kleinschreibung übergegangen sind

2. schritt: wegfall der dehnungen und schärfungen

diese masname eliminirt schon di gröste felerursache in der grundschule, den sin oder unsin unserer konsonantenverdopelung hat onehin nimand kapirt

3. schrit: v und ph ersetzt duch f, z ersetzt durch s, sch verkürzt auf s

das alfabet wird um swei buchstaben redusirt, sreibmasinen und setsmasinen fereinfachen sich, wertfole arbeitskräfte könen der wirtsaft sugefürt werden

4. srit: g, c und ch ersetst durch k, j und y ersetst durch i

ietst sind son seks bukstaben auskesaltet, die sulseit kan sofort fon neun auf swei iare ferkürtst werden, anstat aktsik prosent rektsreibunterikt könen nütslikere fäker wi fisik, kemi oder auk reknen mer kepflekt werden.

5. srit: wekfal fon ä-, ö- und ü-seiken

ales uberflusike ist ietst auskemertst, di ortokrafi wider slikt und einfak. naturlik benotikt es einike seit, bis diese fereinfakung uberal riktik ferdaut ist, fileikt ein bis swei iare. anslisend durfte als nekstes sil di fereinfakung der nock swirikeren und unsinikeren kramatik anfisirt werden.

… und fertik war di holandise sprake!

der letste beitrak in diser rubrik war hir.

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